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HGich.T machen Furore – im Netz und auf der Bühne. Dort nämlich wird die Truppe aus Hamburg derzeit frenetisch abgefeiert. Dabei überschreiten sie prinzipiell sämtliche Geschmacksgrenzen und strapazieren so Augen und Ohren von Fans und Kritikern. Und während sich letztere verstört abwenden, erhöht sich die Zahl der virtuellen wie realen Anhänger stetig.

Live wie im Video trägt Frontraver Tutenchamun dabei schon mal gern eine Windel, Dr.Diamond mimt den Herrn in Uniform und die schöne Maike kommt mit zum Mofa-Ritt. Der Gesamtkosmos des Phänomens HGich.T bleibt dabei stets schwer zu fassen. Zu verworren, vielschichtig und gleichzeitig oberflächlich erscheint das musikalische, wie optische Konzept dieser Truppe. Ob sie dabei nun als Band, Performance-Gruppe, Künstlerkollektiv oder musikalisches Reality-TV gesehen werden ist nebensächlich, oder um die Worte des Mitglieds Marc Alexander zu zitieren:“ Die Realität ist, dass wir wissen, dass hier keiner lebend raus kommt.“

Kurz bevor sie ihr Party-Publikum im White Trash an den Rand des Wahnsinns und der Dehydrierung treiben werden, versammeln sich Tutenchamun, Die schöne Maike, Mark Alexander, Dr.Diamond und Karla vor unserem Mikro, um höchst motiviert ihre Sicht der Dinge zu Protokoll zu geben.

Es folgen O-Töne, angesiedelt irgendwo zwischen Dada, Gaga und herrlich sympathischem Nonsens – kleines Journalisten-Bashing inklusive.

 

?: „Die Dummen gehen zur Arbeit, die Schlauen pennen aus.“  Ist das so?

Tutenchamun (TEA): Also da schlau nichts mit dumm zu tun hat, passt das schon.

Dr.Diamond: Das besagt ja nur, dass man frei ist.

Die schöne Maike (DsM): Ich würde sagen, dass kommt immer darauf an, was man vor hat.

TEA: Klug ist eher temporär und schlau ist so ein bisschen mehr. Dann passt das schon.

?: Euer Bandkürzel heißt angeblich „Heute geh ich tot.“ Was muss man sich darunter vorstellen?

DsM: Oder eben: „Hammergeil, ich Tattoo.“

Karla: Oder „Hiermit grüße ich Tante Thomas.“

?: „Heute geh ich tot“ ist somit falsch?

TEA: Also „Hammergeil, ich Tattoo“ kommt daher, weil ich mir mal ein Tattoo auf die Stirn machen lassen wollte, aber es nie getan habe. Dann ist es beim Bandnamen geblieben.

Dr.Diamond: Wenn du das Album hörst, dann weißt du, wie man zu der Interpretation kommt, die in den Zeitungen überall ausgebreitet wurde. Also auch deine Interpretation, die von einer Zeitung zur nächsten geht, die aber niemals von irgendwem in der Form behauptet wurde.

?: In einem Interview, dass ich gelesen habe, habt ihr gesagt, dass diese Interpretation schon klar geht.

Dr.Diamond: Das haben wir so nie gesagt.

?: Das war meines Erachtens im Interview mit ARTE.

Dr.Diamond: Ja aber, dass war genau dieselbe Aussage. Die Leute interpretieren dass so, wegen des Songs. Der hat ja eine eher depressive Grundstimmung und daher kommt auch die Interpretation.

Marc Alexander: Ich leide unter extremen Depressionen und bin extrem Suizid gefährdet und daher habe ich mir das ausgedacht.

?: Also haken wir das unter schlechter Recherche ab?

DsM: Mach dir da jetzt nichts draus. Wenn wir sagen das geht klar, dann geht das klar, wie auch alles Andere.

Dr.Diamond: Das haben wir aber nicht gesagt.

TEA: Das ist aber eine interessante Frage, ob, wenn Leute viel Müll schreiben, eine gute Recherche möglich ist.

DsM: Eine gute Recherche ist prinzipiell immer möglich. Man muss nur ein bisschen Zeit und Mühe investieren und dann geht das schon. Und das kriegt man auf die Dauer auch irgendwann hin, man muss nur dran bleiben, weißt du.

Dr.Diamond: Leute, die richtig viel Zeit und Mühe investieren, hören dann aber wahrscheinlich auch das Album, dann denn Song und denken sich: Ach natürlich, heute geh ich tot, ist doch’ne völlig klare Sache.

Marc Alexander: Das heißt, dass es einem dann plötzlich logisch erscheint, oder so.

DsM: When you assume you’re making an ass out of you and me.

?: Nächste Frage: Würdet ihr zustimmen, wenn man euch als musikalisches Reality-TV bezeichnet?

Dr.Diamond: Nein

Karla: Ja

DsM: Vielleicht. Ich denke darüber nach. Ich muss das erst mal sacken lassen.

?: Beschreibt bitte eure Realität in drei Worten.

Karla: Hunger, Durst.

TEA: Kacken.

Marc Alexander: Das macht doch jeder Mensch. Das ist doch nichts Ungewöhnliches. Die Realität ist, dass wir wissen, dass hier keiner lebend raus kommt.

?: Ein hartnäckiges Gerücht besagt, dass bei einem Konzert in Berlin mal jemand aus dem Publikum von euch geohrfeigt worden sein soll. Stimmt das und wenn ja warum?

DsM: Er war allerhöchstens im Weg einer Handfläche.

TEA: Warum ist das denn nur ein vages Gerücht?

Karla: Also ich hab schon voll viel Ohrfeigen verteilt, weil mir die manchmal an den Arsch krabbeln.

TEA: Ich hab mal einen richtig doll gehauen, weiß aber nicht mehr, was er getan hat.

?: Und was hat das Publikum heute zu erwarten?

Dr.Diamond: Wir reden hier nicht von so einer Künstler-Quatsch-Ohrfeige, dass man also geohrfeigt wird, weil ein Künstler anwesend ist, der einen auf Skandal machen will. Ich würde sagen, dass sind völlig konkrete und ganz normale Anwendungen des Menschenverstandes in der jeweiligen Situation.

Marc Alexander: Das ist ein ad hoc Reflex.

Dr.Diamond: Das Publikum kommt ja auch nicht mit weißer Weste und unbeschriebenen Blättern.

Marc Alexander: Der war zur falschen Zeit am falschen Ort. Ganz richtig.

?: Adlon der Aldi?

 DsM : Adlon dann natürlich. Also das Hotel.

Marc Alexander: Adlon oder was?

?: Adlon oder Aldi?

Karla: Wie entscheiden?

TEA: Also arbeiten würde ich lieber bei Aldi, als bei Adlon. Ich glaube die zahlen besser.

Karla: Ich verstehe die Frage nicht. Adlon ist doch ein Hotel, habt ihr gesagt und Aldi ist ein Supermarkt.

Dr.Diamond: Der Vergleich hinkt.

?: Der Vergleich hinkt?

DsM: Man kann sehr gut auch immer Äpfel mit Birnen vergleichen und verschiedene Dinge anbieten. Man kann auch sagen, was hättest du irgendwie lieber, Fußball oder Apfelschorle?

Dr.Diamond: Fußball.

DsM: Oder du sagst irgendwie Daunenbettdecke, oder Pony. Da muss man sich schon entscheiden. 

Dr.Diamond: In der aktuellen Situation gibt es vielleicht etwas, dass einem näher liegt.

Karla: Ist ja auch viel interessanter, wie wenn man Sachen zur Entscheidung stellt, die naheliegend sind. Jetzt wo ich mir das überlegt habe, sage ich Aldi.

DsM: Ja, da kommen wir nicht zusammen. Schade.

?: Was müsste ich machen, um mich bei euch erfolgreich zu bewerben? Was muss man anstellen, um bei euch aufgenommen zu werden?

TEA: Ich finde, du müsstest die Frage beantworten, wo du eher arbeiten würdest, im Adlon oder bei Aldi?

?: Ich?

TEA: Ja und warum?

DsM: Das ist doch egal jetzt.

Karla: Wie du mitmachen kannst? Da musst du wahrscheinlich über Igor.

TEA: Ja.

?: Igor ist wer?

Karla: Igor Amore.

DsM: Mit dem musst du schlafen.

Karla: Wahrscheinlich.

DsM: Könntest du dir das vorstellen?

?: Große Hürde.

DsM: Meinst du, weil der ist echt  süß. Der hat bestimmt ganz weiche Lippen.

Karla: Witzig bei Igor ist, der geht rum um die Mädchen, dann malt er sie an und dann küssen sie ihn.

?: Gute Taktik.

DsM: Das wirst du heute auch sehen.

?: Definiert doch mal bitte: „Auf die Kacke hauen“.

Karla: Voll eklig.

DsM: Die Sau rauslassen. Ich finde die Frage gut.

Marc Alexander: Ich finde, dass fällt unter die Kategorie schlechte Sprichwörter.

Dr.Diamond: Kacke, dass ist einfach schlichtweg nur Darmentleerung.

DsM: Ja aber mich würde mal interessieren, wo das herkommt. Sprichwörter haben ja aller irgendwie einen Ursprung aus irgendetwas. Das ist ja nicht einfach irgend so ein Bild, sondern das kommt ja irgendwo her.

Karla: Vielleicht hat irgendwer mal voll auf die Kacke gehauen und so richtig viel Spaß dabei gehabt. Ich glaube die Kacke haut man auf den Donnerbalken. Hi,Hi,Hi.

DsM: Na das werde‘ ich mal im Internet recherchieren und zwar mit viel Zeit und Mühe.

?: Empfehle hierfür ein etymologisches Wörterbuch.

DsM: Das mache ich. Dankeschön. Danke für die Anregung.

?: Gerne. Nächste Frage: Euer Hobby: Arschloch (Anm.d.Autors: In Anspielung auf den Titel der aktuellen Platte – Mein Hobby: Arschloch). Habt ihr noch andere Hobbies?

Karla: Saufen. Also ich.

Dr.Diamond: Ja das stimmt.

DsM: Ich fahre gern Fahrrad.

Marc Alexander: Unser Hobby ist glaube ich schlichtweg gegen den Strom schwimmen.

TEA: Party und Sport. Die Leute, die bei Sport an was anderes denken, die haben echte Probleme.

DsM: S.E.X haben.

Karla: Damit er mal mitmachen kann.

?: Ich bin ein paar Mal auf die Formulierung gestoßen, dass ihr die Gesellschaft gerne ‚entkonditionieren‘ würdet. Was heißt das genau?

Marc Alexander: Eine zivilisatorische Entkonditionierung entsteht durch Rausch und zwar Rauschkonsum. Erst dadurch lösen sich deine Ängste. Am besten ist sozusagen, ich sag mal, wenn man das Leitungswasser mit LSD verdünnt. Das ist das Ideale.

?: HGich.T. Ist das Kunst oder Krempel?

DsM: Das ist wieder so wie die Adlon Frage.

TEA: Farben, also eher Krempel.

Karla: Ich bin eine schöne Künstlerin.

Marc Alexander: Das ist Punk. Schlichtweg Modern Punk, oder Post Punk.

Dr.Diamond: Dada Punk. Ich bin Dadaist, ich stelle alles in Frage.

?: Was ist die Aussage hinter dem Song ‚Künstlerschweine‘?

Dr.Diamond: Künstler sind Parasiten.

TEA: Ich weiß nicht, ob es der Wahrheit entspricht, da ich nie auf seriösen Quellen recherchiert habe, aber es gab mal einen linken Club in Leipzig, wo sehr engagierte, gute Menschen sehr böse auf uns wurden, weil sie besser informiert waren und wussten, dass die Herrscher des Dritten Reiches, die Nazis, mal gesagt haben sollen: “Judenschweine wir brechen euch die Beine.“ Und sich deshalb peinlich durch unseren Text daran erinnert gefühlt haben, was natürlich unsererseits keinerlei Absicht ist, sondern nur schlechte Recherche. Weil wir nicht recherchieren, sondern machen. Das ist eigentlich alles, was man dazu sagen kann.

Dr.Diamond.: In einer Kleinstadt im Westen gab es mal einen Zeitungsartikel, da stand, dass jemand den, wie nennt man das noch mal, vom Lied den wichtigsten Text?

Marc Alexander: Hauptprovokation, oder Eigenverarsche. 

Dr.Diamond: Die Hauptlyrik des Liedes, also der Satz ‚Künstlerschweine wir brechen euch die Beine‘, wurde auf eine Mauer gesprüht. War im Wohngebiet, da haben sich die Bürger beschwert. Erst war ein CDU Abgeordneter involviert in dieser Stadt, das war eine Kleinstadt, dann hat er entsprechend die Polizei motiviert mal vorbeizuschauen und die Polizei hat festgestellt, dass es sich um eine für die Sprayer frei gegebene Mauer handelt, die besprüht werden darf und der Satz sei grober Unfug aber nicht menschenverachtend und grober Unfug ist nicht strafbar.

?: Was wolltet ihr in einem Interview schon immer mal sagen, erzählen oder rauslassen, was ihr euch noch nie getraut habt? Band läuft, bitte jetzt.

Karla: Für die Menschen da draußen jetzt.

TEA: An die Menschen da draußen: Wenn ihr nichts habt, oder alles habt, dann bleibt euch immer noch Liebe und Humor.

DsM: Also ich, ich möchte gerne sagen, sucht euch keine falschen Vorbilder. Nur weil jemand schlank ist, lange Beine hat und ein Hollywood Star ist, ist er noch lange nicht glücklich.

?: Danke für das Interview.

DsM: Danke dir.

 

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